Riga. Silvester 2016/17

Kurze Anmerkung:

Nun folgt endlich mein abschließender Bericht für Riga. Während der Reise regelmäßig zu bloggen war zeitlich oft ein Problem und so werde ich jetzt einen zusammenfassenden Reisebericht schreiben! (besser spät als nie) 🙂 Ich schreibe sehr ausführlich, damit Leser, die vielleicht Interesse an Taizé haben, sich ein Bild von so einer Reise machen können. (Zu beachten ist, dass unsere Reise ziemlich viele Fails beinhaltete, welche nicht jedem passieren)

Für meine beste Freundin Steff und mich ging es dieses Silvester ab nach Riga. Genauer zum europäischen Taizé-Jugendtreffen. Von einem Katholischen Verein Südtirols wurde die Fahrt nach Riga organisiert. So fuhren wir gemeinsam mit ca. 40 weiteren jungen Leuten aus Südtirol los. 26 Stunden im Bus, Zwischenstopp in Warschau und weiter bis nach Riga.

Mi, 28.12.

In Riga angekommen, wurden wir von Freiwilligen in den verschiedenen Pfarrgemeinden aufgeteilt und zudem von einem enormen Schneesturm überrascht. Meine BF Steff, unsere Begleitperson Moni und ich wurden bei einer reizenden Gastfamilie untergebracht. Die Familie bestand aus den Eltern Uldis und Mara, ihren drei Töchtern Marta, Baiba und Inta (ca. 24, 27 und 35 Jahre alt) und Baibas zehnjähriger Tochter Ruta. Die Gastfreundschaft dieser Familie übertraf alles. Sie sprachen alle sehr gut Englisch, so hatten wir keine Probleme mit der Verständigung. (Andere aus unserer Gruppe waren z.B. in einer Familie, die nur Lettisch konnte).

Marta gab uns am ersten Tag eine kleine Stadtführung. Als erstes zeigte sie uns eine orthodoxe Kirche, die sie als kleines Kind oft besucht hatte und erzählte uns etwas von ihrem lutherischen Glauben.

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Marta nahm uns auch mit zum Central Market, dem großen Markt in Riga, wo man wirklich alles kaufen kann. Von Alkohol, Käse und Wurst bis zu Souvenirs, Gemüse, Obst und Wollsocken. Marta ging bald wieder nach Hause. So schlenderten wir auf eigene Faust noch durch die Stadt und machten uns mit Johnny und Kai, die auch aus Südtirol sind, auf den Weg in die Arena Riga, wo das Abendessen und das Abendgebet stattfand.

 

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Da wir uns für die freiwillige „Arbeit“ gemeldet haben, wurde uns eine Aufgabe im „ChurchTeam“ erteilt. Ziel war es, dass die Menschen die zum Gebet kamen, zuerst die Grundfläche der Halle füllten und erst wenn diese voll war, sich auf die Tribünen aufteilten. Tja, nun war es unser Job, den Menschen dies klar zu machen. Dies ist wirklich keine einfache Aufgabe, da 99% echte Sturköpfe waren und einfach nicht auf uns hörten. „Please go to the groundfloor“, sagte ich freundlich. Die Antwort: „No“. Dem Verzweifeln nahe wurden wir, als das Abendgebet begann, erlöst und fielen zwei Stunden später erschöpft in die Betten.

 

Do, 29.12.

Wir hatten verschlafen. Dies bedeutete, dass wir das Morgengebet komplett verpasst hatten. Doch für das wunderbare Frühstück (9 Spiegeleier, Brot und Tee) ließen wir uns noch Zeit. Nach dem Morgengebet trafen sich die Menschen in kleinen Gesprächsgruppen. Steff und ich waren mit Johnny, Elisabeth (ebenfalls aus Südtirol) und fünf Mädels aus Polen in einer Gruppe. Nach dem Gespräch schlurften wir nach Hause und ruhten uns ein wenig aus. Anschließend ging es wieder in die Altstadt, wo wir Souvenirs kauften und eine Stunde lang das HardRockCafé suchten, was in Riga gar nicht existierte. Wir trösteten uns auf dem Platz vor dem Dom mit köstlichen Pancakes mit Marmelade / Schokolade und Banane.

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In Riga gibt es eine riesige Bibliothek. Sie umfasst sieben Stöcke und ist einfach wunderschön! Ein nicht enden wollender Traum einer jeden Leseratte.

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Als wir die Bibliothek verließen, fiel mir sofort ein junger Mann auf, der immer wieder in unsere Richtung sah und komisch grinste. Er war uns regelrecht auf den Fersen. „Ey Leute was will der Depp von uns?“, sagte ich zu Steff und Moni. Plötzlich sagte der Mann: „Ah ihr redet Deutsch?“ Facepalm alla grande. Wir Südtiroler haben unseren eigenen Dialekt und Willy aus Berlin hatte die Gabe uns zu verstehen. Wie peinlich. Wir kamen ins Gespräch und landeten bei einer Diskussion über Freiwild, wobei wir geteilte Meinungen hatten.

Auch heute abend war unsere Arbeit wieder ziemlich nervenauftreibend, aber durch das Gebet verflog der Stress. Auf dem Heimweg haben wir einige Leute aus unser großen Südtirolergruppe getroffen. Das Quatschen bei Kälte im Freien wurde mit der Zeit unangenehm und so suchten wir in der Altstadt eine Bar. So kam es, dass wir wenige Minuten später im Rock Café standen, dem wohl coolsten Café, was ich je gesehen habe. Ein gemütlicher Abend mit analkoholischen Drinks und zahlreichen interessanten Gesprächen, neigte sich dem Ende zu. Doch bei unserer Familie angekommen, sollte er noch mindestens zwei Stunden anhalten.

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Steff ging Zähneputzen. Moni und ich saßen im Zimmer, als Baiba hereinkam. „Hi girls! Do you want to see the ratbath?“ Ich verstand Bahnhof. „Are you afraid of rats?“ Ich antwortete: „No. I’m not afraid!“ und folgte ihr. Ich dachte an eine Ratte, die irgenwo in der Wohnung aufgetaucht war und nun zu entsorgen galt. Nein. Falsch gedacht. Baiba öffnete die Badezimmertür und … Steff badete zwei Ratten. Oskars und Bruno, die Haustiere der Familie. Zudem hatte die Familie eine (böse) Katze.

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Fr, 30.12

Wir haben wieder verschlafen. Jedoch bekamen wir noch eine Viertelstunde des Gebets mit. In der Gesprächsgruppe kam es nicht wirklich zu einem Gespräch. Ich glaube es waren alle einfach zu müde. Nach einem kurzen Mittagessen fuhren Seff, Moni und ich mit Johnny ans Meer. Wir hatten riesen Spaß und waren total entsetzt, als eine Frau im eiskalten Wasser schwimmen gegangen war.

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Nach einem heißen Capuccino ging es wieder zurück in die Stadt. Diesmal haben wir uns vor der Arbeit gedrückt (sehr böse von uns). Ich hatte zwar schlechtes Gewissen, aber ich muss sagen, es hat sich gelohnt. Das erste Mal konnte ich das Gebet so richtig genießen. Ich war nicht genervt oder gereizt (was aufgrund der Arbeit oft der Fall war), sondern konnte mich ruhig und gelassen auf meinem Platz auf das Gebet einstellen. Freré Alois hatte eine lange, berührende Rede gehalten und teilte den Ort des nächsten europäischen Jugendtreffen mit: BASEL. Als alle 7.000 Menschen anfingen zu klatschen und zu jubeln, fühlte ich mich wie auf Wolken, wie in einem Traum. So ein enormes Gemeinschaftsgefühl unter so vielen Menschen hatte ich noch nie verspürt. Die ganze Welt war in Frieden versammelt und freute sich. Menschen bzw. Jugendliche aus Europa, Amerika, Asien, Australien und Afrika saßen in einer großen Arena zusammen und strahlten wahren Frieden und wahre Gemeinschaft aus.

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Sa, 31.12

Das Frühstück war heute noch besser als sonst. Spiegeleier, Pürree, Wurst, Sauergurken, Marmelade und Brot. Nach dem Morgengebet sind wir mit Kai und Johnny ins COSTA COFFEE, wo ich mit meiner Familie skypte. Anschließend haben wir auf dem Weihnachtsmarkt den riganischen Glühwein getestet (bäh) und anschließend die atemberaubende Aussicht auf dem Turm der St. Peterskirche genossen.

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Nach einer kleinen Shoppingtour ging es zum Abendessen und Abendgebet. Zuhause angekommen, wurde uns von der lieben Familie sofort ein Glas Wein zum Anstoßen in die Hand gedrückt. Freundlich trinkt man mit. Keine gute Idee, da der Alkohol in Riga meiner Meinung nach besonders stark ist. Natja, mehr als dummes Gekicher ist nicht passiert. Dann ging es in die Stadt, wo wir uns mit Kai und Johnny trafen. In einem gemütlichen Pub quatschten wir noch etwas, bis wir auch schon zur Mitternachtsfeier starteten. Um 0 Uhr ging es dann schnell vor die Kirche, wo unzählige Knaller und Feuerwerke in die Luft flogen. „Happy New Year!!!“ Gleich danach begann das Fest der Nationen. Dies findet in allen teilnehmenden Gemeinden statt. Jedes vertretende Land macht auf dem Fest eine kleine Vorstellung. Dies kann z.B. ein Lied, ein Theater, ein Quiz oder ein Tanz sein. Leider verpassten wir unseren Auftritt, da unsere „Choreografin“ nicht auffindbar war :/ . Aber so ersparten wir den anderen unser peinliches rumgehoppel XD. Um  zwei Uhr gingen wir nach Hause, wo wir glücklich und müde im Land der Träume verschwanden.

So, 1. 01

Das neue Jahr hat begonnen! Morgengebet hatten wir heute nicht verpasst! Nach diesem gab es keine Gesprächsgruppen, sondern gingen wir gleich nach hause um zu packen. Mara, Baiba, Inta und Marta waren schon sehr fleißig beim Kochen und Vorbereiten des Mittagessens. Schließlich tauchten auch die TaizéGäste von Inta auf. Fünf Polinnen und zwei Österreicher (Kärntner). Das Mittagessen war bombastisch!

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Wir hatten jede Menge Spaß mit den anderen zu Quatschen und auch Oskars und Bruno mischten sich unter uns (zu Freuden aller hihi). Der Abschied tat weh. Die kleine Ruta umarmte uns fest und sagte: „I don’t want you to go!!“ Am liebsten wären wir noch länger geblieben… aber das ging ja leider nicht. Hoch und Heilig, Indianerehrenwort haben wir der goldigen Familie versprochen sie mal zu besuchen!

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